Noch ist das Thema leider nicht in aller Munde: Die Netzneutralität (@Wikipedia). Mit ihr steht und fällt die Informationsfreiheit unserer Gesellschaft. Doch die Netzneutralität ist in Gefahr. Wie sehr, das wurde mir durch einen Artikel in der Zeit bewusst: Gute Bytes, schlechte Bytes

Glasfasern
Erst einmal eine kleine Definition: Netzneutralität bedeutet, dass jedes Datenpaket im Internet gleich behandelt wird. Ob ich eine Mail schicke, auf eine Website surfe oder über Skype telefoniere: Kein hierzu benötigtes Datenpaket erhält “Vorfahrt” aufgrund seines Zweckes.
Die Provider wären bei einem neutralen Netz gezwungen, die Datenpakete zu behandeln wie die Post es tut: Jedes gleich, egal ob jemand Ware von Sony oder Philips bei Amazon oder eBay oder Beate Uhse (Hm, da wirds schwer mit Sony…) bestellt hat.
Bei Datenverkehr eigentlich egal, mag man meinen. Mitnichten! Prominentes Beispiel der Auswirkungen der willkürlichen Handlungen von Providern: Als Skype für das iPhone veröffentlicht wurde, drosselte die Telekom über ihr UMTS-Netz den Zugang zu dem Programm (SpOn dazu).
Bis heute muss jeder Kunde, der Internettelefonie nutzen möchte, eine Extragebühr bezahlen. So möchten Provider die Verluste auffangen, die sie durch die nicht verkauften Gesprächsminuten erfahren.
Der bereits erwähnte Zeit-Artikel dazu:
Die Telekom könnte beispielsweise VoIP (Voice over IP, Internettelefonie, Anm.) ein bisschen entschleunigen, damit weniger Kunden aus der eigenen Festnetzsparte dorthin abwandern. Wer als Provider zugleich ein eigenes Video-Portal betreibt, könnte versucht sein, das der Konkurrenz gemächlicher durch die Netze zu schicken.
Und ja: Die Ähnlichkeit zu Verleger-ähnlichem Gebahren geht noch weiter: Der Ausbau der Infrastruktur soll zum Teil auf “Firmen mit großem Datenvolumen” abgewälzt werden. Und zwar direkt, nicht indirekt über eine etwaige Erhöhung der Gebühren. Google soll also nicht nur Herrn Burda Geld dafür zahlen, dass seine Artikel als Suchergebnisse gelistet werden. Google soll auch der Telekom Geld zahlen, damit diese das zunehmende Datenvolumen bewältigen kann.
Der Kioskbesitzer soll also nicht nur den Verleger dafür bezahlen, dass er so gnädig ist und ihm Zeitschriften zum Verkauf verkauft. Der Kioskbesitzer soll auch noch die Buslinie (zusätzlich zu seinen Steuern!) mitfinanzieren, die vor seinem Kiosk hält.
Konkret versuchen Mobilfunkanbieter, die Internettelefonie zu behindern. Wo es also jetzt anzusetzen gilt, ist ein Schutz des “Kabelnetzes”, der normalen und heutzutage gängigen DSL-Verbindung. Die Technologie, Datenpakete auf ihren Inhalt zu überprüfen nennt sich Deep Paket Inspection. Auch hier passt der Begriff “Zensurinfrastruktur”.
Es ist kaum auszudenken, was hier ein “Netz der mehreren Geschwindigkeiten” für Auswirkungen hätte. In komfortabler Geschwindigkeit online das Angebot eines neuen Providers angucken? – Einen Livestream eines Sportereignisses ansehen, das ein “fremder” Provider sponsert? – “Lass uns zu XY wechseln, sonst lädt YouTube immer so lange.”?
Oder, “in echt” passiert (aus dem unten verlinkten Artikel auf netzpolitik.org):
AT&T streamte Musikkonzerte, u.a. von Pearl Jam. Als der Sänger Eddie Vetter in einem Konzert George W. Bush kritisierte, wurde die Kritik von AT&T raus geschnitten
Mobilfunkanbieter könnten heutzutage Verwalter des Fortschritts sein, sie müssten sich nur nicht so doof anstellen.
Einen Wandel mitmachen von Umsatz durch Gesprächsminuten hin zu anderen Modellen (netzwertig.com schneidet dies in einem Kommentar zur neuen Vodafone-Kampagne an) – Der Kunde wird für sein 24/7-Internet schon zahlen. Aber der Gewinn der Anbieter muss auf eine faire Weise eingeholt werden, sonst machen sie sich zu Teufels Advokaten. Das verträgt unsere Informationsgesellschaft nicht gut, und das wäre gefährlich.
Unter diesem Gesichtspunkt ist es besonders interessant, inwieweit Vodafone sein Versprechen, ein Freund der “Generation Upload” zu werden, wahr macht (Wie es auf netzwertig.com ganz richtig gesagt wird).
Links zum Thema
(Jaja, Iven hat es auch schon verlinkt) Ein Top-Video zur Netzneutralität vom Elektrischen Reporter: Alle Bits sind gleich?
Netzpolitik.org: Über Bauprinzipien von Kommunikationsnetzen mit technischen Grundinfos
Die Profis von der c’t: Der Kampf um die Netzneutralität
Golem.de zur Debatte in den USA, wo die Neutralitätsbefürworter einen großen Sieg errungen haben.
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2 Kommentare zu “Netzneutralität, die Basis einer modernen Gesellschaft”
[...] Jung und Bruce Willis. Zumindest solange Internetanbieter den Verkehr nicht heftigst filtern (Netzneutralität ist das Stichwort!), hat jede Website die gleiche Chance, angesurft zu werden, und so ihre Inhalte [...]
[...] Netzneutralität, die Basis einer modernen Gesellschaft ein erklärender Artikel zum Thema auf [...]