Vor etwas mehr als einer Woche raschelte die Meldung durch die Blogosphäre sowie Twitter: Facebook übernimmt FriendFeed! Wie relevant dieser Vorgang noch wird, kann man kaum einschätzen. Das bloße Aufkaufen unliebsamer Konkurrenz wird die Zuckerberg-Fraktion nicht im Sinn gehabt haben. Vielmehr kam und kommt es ihr auf das Know-How im Echtzeit-Bereich an, so wurde es auch in zahlreichen Kommentaren angemerkt (Beispiel auf netzwertig.com, Beispiel auf tagesschau.de (WOW!), die Mutter aller Technik-News-Quellen möchte auch genannt werden: TechChrunch).
Was heißt das konkret für Facebook? Naja, FriendFeed bietet im Prinzip die Funktion eines Echtzeit-Google. Bis eine Meldung so viele Treffer, Seitenbesuche etc. anhäufen kann, dass sie bei Google weit oben in den Suchergebnissen gelistet wird, ist sie alt. An dieser Stelle punktet FriendFeed mit dem Durchsuchen von Blogs und Twitter, und verlässt sich auf Empfehlungen der Nutzer. Befindet ein Nutzer eine veröffentlichte Meldung als gut, so rutscht sie im allgemeinen Datenstrom weiter nach oben – aktive User beeinflussen somit, welche Themen anderen Usern an prominenter Stelle entgegenpixeln.
Na, wem kommt etwas in der Art bereits bekannt vor? Richtig, Ihnen, liebe Facebook-User und Querbeet-Leser!
Werden beispielsweise nach und nach zig Freunde des Facebook-Freundeskreises Fans von Chuck Norris-Filmen, so rutscht die Meldung hierzu in der “Höhepunkte”-Liste auf Facebook relativ weit nach oben. Die Tendenz zu Friendfeed-ähnlichen Funktionen und Mechanismen ist bei Facebook also sowieso schon vorhanden.
Unendlich viele Links, Hinweise, Videos, “Must see!”s – Durch eben beschriebene Mechanismen erhält der scheinbar endlose und somit endlos unübersichtliche Daten- und Nicht-Infostrom eine Struktur. Dieser Mechanismus kann in schnell reagierenden Sozialen Netzwerken nicht auf Google oder besucherzahlenabhängige Mechanismen warten.
Einfache, digitale Fingerzeige des versammelten Online-Publikums übernehmen bereits eine Kategorisierung.
Facebook wird zu Twitter, Twitter wird zu…?
Dieses Schema wiederum macht auch einen großen Teil von Twitter aus. Linkempfehlungen, Kommentare, Weiterverbreitungen, das macht Twitter zum sinnvollen Werkzeug. Denkt man sich nun zu Twitter eine “Links,Videos oder Bilder einfügen”-Funktion hinzu und ersetzt das baby-blaue Türkis durch Dunkelblau, wird deutlich: Groß ist der Unterschied zwischen Statusmeldungen der Freunde auf Facebook und einem Twitterstream nicht.
Die Funktionen ähneln sich jetzt also schon sehr, bis auf einen Punkt natürlich: Die angesprochenen Freunde, Friends oder Follower. Twitter wirkt typischer Weise in einem größeren Radius, eine Followerschaft ist weniger persönlich als eine Facebook-Freundesanfrage.
Kleine Anekdote: Deutlich ist mir dieser Unterschied geworden, als ich ein (ganz fulminantes) Foto geschossen hatte, und erstmal abwägen musste, ob nun Facebook, flickr oder Twitter (bzw. Twitpic) den Upload bekommen. Facebook lässt den Freundeskreis informiert sein, Twitter jeden und niemanden, und flickr ist halbwegs etwas für die Ewigkeit.
Erkenntnis: Ändert Facebook seine Ausrichtung, ändert sich dieses Relevanz-Gefüge sehr stark.
Natürlich könnte der Link zum Bild nachher auf jeder der Plattformen verbreitet werden, doch ist es hier auch eine Frage des Aufwands, den man im Durchschnitt betreiben wird, um eine Meldung bzw. ein Status-Update abzusetzen.
Um die oben genannte Ausrichtung Facebooks wieder aufzugreifen: Fügt nun Facebook einen neuen Statustyp, etwa (Interessiert o.Ä.) hinzu, so schmelzen die Unterschiede dahin (Den Gedanken hatte ich auf pr-blogger.de gelesen, bin aber grade unfähig den Link zu finden. Gefunden! hier). Etwas unter “Freund” könnte der neue “Beziehungstyp” angeordnet sein, eben so, dass er Interesse bekundet.
Twitter würde womöglich mehr denn je nur durch eine kleine, sehr aktive Nutzerschaft am Leben gehalten werden, anstatt auch in der regelmäßigen Benutzung (und nicht nur in der Aufmerksamkeit) die große Masse zu erreichen. Denn Facebook könnte seine Updates auch nach Gruppen erstellen lassen: Ich gebe Infos für meine Freunde raus, und einen Link zu einem Artikel für diejenigen, die sich einfach für gleich Themen wie ich interessieren (Gedanke: Ungefähr das ist schon Realität, guckt man sich die “Fan”-Seiten an, wie z.B. die von Querbeet Deluxe).
Unter diesen Gesichtspunkten wird das mit der Übernahme FriendFeeds vorhandene Potential für eine kleine Facebook-Revolution sehr deutlich.
Wir werden sehen, ob FriendFeed in dem Facebook-Netzwerk aufgeht und Twitter den Zustrom abgrast, oder inwieweit die Marke Facebook evtl. “nur” nach Optimierung der vorhandenen Mechanismen sucht.
Twitter gerät jedoch in jedem Fall unter Innovationsdruck.
Twitter war auch Thema in folgendem Querbeet-Artikel: Das digital gedruckte Wort und seine Auswirkungen
P.S.: Diese und ähnliche Gedanken auf SFGate.
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