Ein Trauerspiel in vielen, vielen Akten
Es ist eigentlich schade, dass die Globalisierung sich nicht auf sämtliche Bereiche unseres Lebens auswirkt. Nun, einige Bastionen mag der ein- oder andere von uns sicher begrüßen, das ist auch in Ordnung soweit. Aber wo man es sich wünschen würde, da hinkt der lokale Markt bzw. Anbieter hinterher. Ich spreche vom Fernsehen.
Ich gucke nie Fernsehen, ich sehe nie fern, ich fernsehe nicht. Warum also beschwere ich mich? Eben drum!
Ungefähr seit Sat.1 aufgehört hat, nachmittags gegen 15 Uhr Star Trek zu senden, hat sich mein Fernsehkonsum zunächst auf einzelne Serien, die Abends laufen, verlagert und ist schließlich bei null angelangt.
Die meiste Zeit, die ich mit dem deutschen Fernsehprogramm mittlerweile verbringe, ist die beim Blick in die Fernsehzeitung. Es laufen die lohnendsten Perlen meist abends versteckt bei Kabel 1, oder sogar bei RTL II, wie vor einiger Zeit “Band of Brothers”. Doch zu den vermeintlichen Perlen komme ich noch.
Herauszuheben ist eventuell noch Switch Reloaded, wirklich sehr komisch, und sogar eine deutsche Produktion, juhu! Allerdings bezeichnend, dass eine der besten deutschen Sendungen eine ist, die andere Sendungen parodiert.
Das Nachmittagsprogramm ist mittlerweile mal mit “We are Family”, mal mit “Mein Leben” in der Bildecke gelabelt, der Inhalt ist immer der gleiche. Selbst die “klassische” Talkshow sperrt die *räusper* Pöbel-Protagonisten lediglich in einem Studio ein, statt sie in ihrem angestammten Lebensraum, der Couch zu zeigen.
Der Artikel wäre hier zu Ende, mit dieser ernüchternden Feststellung.
Wenn es da nicht dieses Ding gäbe… das Internet. Und wenn man über dieses Ding nicht Dinge erfahren könnte, die außerhalb des Einzugsgebietes von Kabel Deutschland, Kabel BW und wie sie alle heißen liegen. Wie zum Beispiel, dass eine englischsprachige Sitcom oder Serie ungefähr 1000-mal toller ist, wenn die Sprecher nicht gelangweilt sprechen, also die originalen sind.
Die Synchronsprecherauswahl und deren Betonung ist nämlich eine Verstärkung des Problems, das schon durch den z. T. unvermeidlichen Verlust der Wortwitze beim Transfer Englisch->Deutsch vorhanden ist.
“Oh nein, das ist Justus Jonas von den Drei ??? !” – und schon klingt ein Charakter einer bestimmten Sitcom genau wie ein Hörspielheld, oder ein Charakter aus einer anderen Sitcom – das bekommt man leider nur sehr schwer wieder aus dem Hinterkopf. Dazu kommt, dass sich z.B. bei “How I Met Your Mother” und “Big Bang Theory” sämtliche Sprecher in ein- und derselben gelangweilten Tonlage bewegen. Bei BBT soll dies wohl die Nerdigkeit der Protagonisten widerspiegeln… naja.
Zugleich ist man durchaus versucht in die Tischkante zu beißen, wenn die Übersetzer jeden Witz mit der Brechstange retten möchten, und dabei Niveau und Logik vollkommen außer Acht lassen.
Das von mir beschriebene “Problem” mag zu einem gewissen Grad auch einfach aus dem Eindruck entstehen, ein Witz wäre im Englischen “cooler”, eben weil komplette Sätze Englisch einen über das Niveau des Denglischen erheben. Eventuell ist es auch einfach der Wunsch nach Abgrenzung, der in einer bestimmten Gesellschaftsschicht vorherrscht.
Aber warum auch immer, es bleibt und gilt: Guckt man eine Serie ein Mal auf Englisch, ist die deutsche Version meist auf ewig verdorben.
Ein weiterer Faktor, der einem erst durch das Internet bewusst wird: Es dauert rund zwei Jahre, bis eine amerikanische Serie “reif” ist für den deutschen Markt. Wir können keine eigenen guten Inhalte produzieren, aber für eine schlechte Synchronisation benötigen wir zwei Jahre.
In einer Zeit, in der einige Kinofilme einen weltweit zeitgleichen Start erfahren, in der man mit Mobiltelefonen einen Video-Livestream erzeugen kann, in der Glasfaserkabel die Informationsgeschwindigkeit bestimmen… in solch einer Zeit kalkulieren hiesige Sender zwei Jahre, um eine Serie zu bewerten und auf den deutschen Markt zu “konvertieren”?
Es ist ja nicht so, dass es nicht die technische Möglichkeit gäbe, Sendungen zusätzlich auch mit Originalton auszustrahlen. Oder, ganz verrückt: NUR mit Originalton. Die Zielgruppe wäre natürlich kleiner, aber ein Sender, der sich so etwas traut, bekäme 1. Aufmerksamkeit ohne Ende und 2. gewönne Sympathien (auch ohne Ende) in eben dieser “kleineren” Zielgruppe. Wie klein sie nun wirklich sein mag, darüber kann man sich streiten.
Es mögen auch Lizenzen und die womöglich vorhandene Arroganz amerikanischer Sender eine Rolle spielen bei der ganzen Geschichte. Aber es macht nicht den Eindruck, als ob deutsche Sender in dieser Frage in irgendeiner Weise Druck ausübten.
Aber warum sollten sie auch? Das deutsche Publikum nimmt ja in der überwältigenden Mehrheit alles an, was es gezeigt bekommt.
Bildquelle: CC-Attribution-Lizenz, Urheber: Jardenberg
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