Kürzlich waren “Herr Schirrmacher” und “Günther Jauch” bei “Beckmann” zu Gast (ARD-Mediathek). Zum “WWW”. Das lässt schon einiges vermuten, und die Stoßrichtung Schirrmachers neuen Buchs (dessen Titel ich hier nicht nennen werde, muhaha) lässt zudem einiges befürchten.
Der gläserne Mensch, die überwachende “Maschine”, die Machtposition Googles, die gestohlene Zeit. Das sind Themen, die in unserer Zeit allesamt wichtig sind, einige mehr, andere weniger. Die Sendung minutiös auseinanderzunehmen ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend und nicht zielführend, aber einige Gedanken zum Thema können ja nicht schaden.
“Günther Jauch” (Hat “Beckmann” immer gesagt, “Günther Jauch” scheint sich als Marke etablieren zu wollen) fühlt sich zu sehr in Anspruch genommen von “Internet, SMS” usw. Sie rauben ihm “Stunden, die früher für etwas anderes zur Verfügung standen”.
Aufgemerkt: Es ist nicht einmal der Zugang zu Informationen, die Erreichbarkeit selber, die ihn stört, sondern die eigene Ablenkbarkeit. Das ist eine lobenswerte Betrachtungsweise, die immerhin zwischen Möglichkeiten der technischen Entwicklung und der Fähigkeit des Menschen, diese zu nutzen, unterscheidet.
Beim Beschweren über das dauernde Blinken und Piepen von Nachrichten überall darf man jedoch nicht vergessen: Eine Stunde Lesen, Schreiben und Beantworten von Mails erspart einem schätzungsweise ein Vielfaches an Zeitaufwand, welches zum Schreiben von Briefen nötig wäre. Vorausgesetzt, man hat einen funktionierenden Spamfilter und wird nicht von Bekannten mit unnötigsten Inhalten per Mail zugeschüttet. Aber dafür ist ja eher Facebook da ;-)
Maschine ?
Die Bedenken der Herren in der Sendung waren durchaus berechtigt. Doch es irritiert, wenn jemand vorgibt alles darüber zu wissen wie “Maschinen unsere Mails lesen”, gleichzeitig aber nicht zwischen kostenlosen und kostenpflichtigen Mailservices unterscheidet.
Was Google womöglich alles wissen könnte und dürfen soll, ist durchaus ein wichtiges Thema, keine Frage. Googles kostenlosen Mailservice in Anspruch zu nehmen, und personalisierte Werbeanzeigen zu einer Ungeheuerlichkeit zu stilisieren (und damit Panikmache zu betreiben), ist allerdings nicht der Weg, sich damit auseinanderzusetzen.
Drastischer ausgedrückt: Wer Twitter darüber definiert, wie es von deutschen Politikern auf dilettantischste Weise genutzt wird, der hat doch den Schuss nicht gehört.
Und wer auf dieser Basis eine Talkrunde gestaltet, der sollte seinen Qualitätsanspruch dringendst überprüfen.
Noch einmal: Wie die Technik uns und unser Leben verändert, ist ein wichtiges und interessantes Thema. Doch wenn man keine ausreichende Ahnung von einer Thematik hat, dann arten umfassende Gedanken dazu zwangsweise in unheimlich klingende, überzogene Mutmaßungen und Schreckensbilder aus.
Link zum Thema
Spreeblick panict auch auf Schirrmachers Buch hin aus… freak out!
Wirklich sehr gelungene Vorschlagssammlung für künftige Schirrmacher-Themen am Ende des Spreeblick-Artikels!





Im Grunde läuft es doch auf eines hinaus: Medienkompetenz ist derzeit gefragter den je. Das bedeutet eben, mit den aktuellen Medien umgehen zu können.
Jeder kann selbst entscheiden, welche Medien er nutzen will und welche nicht (Twitter irgendwie zu nervig, Facebook auch – dann lässt man es eben).
Und wenn “Medien” mein Beruf sind (wie bei den o.g. Herren) oder ich es mir nicht leisten kann, einen Informationskanal auszusperren, ist eine nähere Beschäftigung mit diesen Medien und z.B. eine sinnvolle Integration der o.g. Dienste sinnvoll (z.B. über Feedreader). Das hilft, Zeit zu sparen, damit man mal wieder zum Briefkasten gehen kann.
Und wenn einem Google unheimlich ist, dann muss man ja nicht unbedingt Google Mail nutzen (wie schon im Artikel angedeutet wurde), aber dann muss man ggf. auch was für seinen Mailservice bezahlen (tztz, immer diese Kostenlosmentalität im Internet, nenene ;-)).
Jetzt die ketzerische These: Geht Herrn Schirrmacher und Herrn Jauch die Medienkompetenz ab?