Wie Zeit online berichtet, hegen deutsche Datenschützer zunehmend Zweifel an der Legalität des Einsatzes von Google Analytics (@Wikipedia) auf deutschen Websites.
Was macht Google Analytics?
Um das ganze etwas konkreter zu machen: Google Analytics wertet Besuche auf Websites aus. Es nützt somit Betreibern, zu erfassen wie viele Besucher von welchen Websites wie lange und welchen Teil der eigenen Website besuchen. Welchen Browser in welcher Version die Besucher benutzen, aus welchem Land, zu welcher Uhrzeit, mit welchen Suchbegriffen sie auf die eigene Website kommen. Welche Bildschirmauflösung, welches Betriebssystem sie benutzen. Lauter sowas. (Was noch alles? Wer weiß das?)
Klingt viel und ungeheuerlich, aber ungefähr alles bietet einen Mehrwert für den Seitenbetreiber, der so sein Angebot anpassen (oder einstellen, höhö) kann. Der Browser muss die meisten Daten sowieso mitsenden, damit eine fehlerfreie Darstellung der Seite möglich ist.
Fairer Weise muss man sagen: Die Speicherung der Daten ist dafür natürlich nicht notwendig.
So what?
Das Interessante: Der Grund, aus denen Google Analytics (GA) sich mindestens im rechtlichen Graubereich befindet, ist im Wesentlichen: Die mit GA erfassten Daten werden auf Servern in den USA verwaltet.
In der ganzen Debatte ist ein weiterer Knackpunkt die ungeklärte Frage, ob die IP-Adresse zu den personenbezogenen Daten gehört oder nicht. Identifiziert die IP eine Person? Nein, einen Rechner oder auch nur einen Router, hinter dem X Rechner hängen können. Damit aber auf eine gewisse Weise den aktivsten Nutzer hinter der IP. Es ist eine fast philosophische Frage.
Sind wir zu kleinlich? Die IP-Adresse, mit der man im Internet sichtbar ist, ändert sich ohnehin mehrmals täglich. Ob die Daten nun von Google Deutschland auf Servern in Deutschland oder Google International in den USA “aufbewahrt” werden, wen juckt’s?
Vertraut man Google?
Wiederum ganz anders gestaltet sich die Situation, wenn Google alle erfassten Daten zu einem Bild zusammenfügt, und mit denen seiner unzähligen anderen Services kombiniert. Was ein Benutzer in einer Sitzung erledigt, geschieht meist unter einer IP.
Inwiefern Google dies tut oder nicht (oder es zugibt oder nicht), dazu gibt es laut Zeit online widersprüchliche Aussagen.
Auch korrekt ist, dass man als Benutzer die Möglichkeit hat, Cookies (@Wikipedia) von Websites generell abzulehnen, also ohne Spuren durchs Netz zu surfen. Inwiefern dieser Einwand gilt, ist fraglich. Denn das Surfen komplett ohne Cookies ist eine Krankheit, jede x-te Website und deren Funktionen setzen sie voraus. Und Fakt bleibt, dass die Rechtslage es eigentlich vorschreibt, dass der Nutzer zuerst einwilligen muss, wenn seine Daten in den USA landen.
“Datenkrake, aaaaaah die Datenkrake!”
Ganz zu lösen ist diese Diskussion natürlich nicht vor dem Unbehagen, das sich beim ständigen Kontakt mit einem solchen Datenerfassungsmonster wie Google unweigerlich einstellt. Die Datenschützer haben tun also wahrlich nicht schlecht daran, das Bewusstsein für diese Problematik zu stärken und die selbstverständliche Nutzung von GA anzuprangern.
Die weiße Weste
Für den Seitenbetreiber, der predigt die Weisheit mit Löffeln gegessen zu haben und nach einer besseren Welt zu streben, gibt es wie dargestellt zweifelsohne ausreichend Gründe, GA nicht zu verwenden.
Und welcher Seitenbetreiber verspricht dies nicht?
Wir tun’s auf jeden Fall, und nutzen daher Mint, um diesen deinen Besuch auf diesem Artikel, genau hier und jetzt, zu erfassen.
Ganz einfach damit wir wissen, dass du hier warst. Aber wir versichern, dass wir deine IP nicht kennen, und sie daher weder mit einer Uhrzeit oder sonst irgendeinem Parameter verbinden können oder gar würden.
Als Seitenbetreiber ist man Gastgeber für die Besucher auf seiner Seite, und mit entsprechendem Respekt sollte man sie auch behandeln. “Es benutzt doch eh jeder Google Analytics” ist keine besonders edle Einstellung zu diesem Aspekt.
Bei Kommentaren auf diesem Blog wird die IP erfasst, dies hat jedoch einen guten Grund (Erfassen und Sperren von Spam-IPs). Hierzu gab es kürzlich Aufregung, Stefan Niggemeier hatte hier wegen der Praxis auf seinem Blog einigen Ärger (gulli.com dazu, Niggemeier selbst dazu).
Aber zurück zur eigentlichen Thematik:
TechCrunch hat die Aufregung in Deutschland bemerkt, und die dortigen Artikelkommentare sind sehr erhellend. Beispiele:
Yeah, but in Germany, the Government uses to protect peoples from their ignorance, I’m not just sure they know what Google analytics is exactly and how it works
They do know that the only data that Analytics collects is data that the user is freely giving, right?
Die Möglichkeit nicht einmal zu sehen, dass Google alle gewonnenen Daten zu einem 100%igen Abbild des Nutzers gießt, finde ich schon sehr naiv. Dass eine Grundeinstellung zur Google-Panik auch sein kann “Stell die Cookies aus”, ist aber auch zu beachten. Hier treffen wahrlich zwei Einstellungen aufeinander.
Es wäre ein großer Gewinn, wenn sich der Durchschnitts-Seitenbetreiber den Einsatz von GA noch einmal reiflich überdenken würde, oder es empfindliche Strafen für das Umleiten der Nutzerdaten in die USA ohne Hinweis gäbe.
Ein ebenso großer Gewinn wäre es, wenn der Durchschnittsuser die “Beim Beenden des Browsers alle Cookies löschen”-Funktion des Browsers seiner Wahl entdecken würde – und daraufhin Nachforschungen anstellt, was diese ominösen “Cookies” denn sind. Das mag arrogant klingen, aber man muss dem Kommentar “but in Germany, the Government uses to protect peoples from their ignorance” ja auch nicht unbedingt in die Hände spielen.
Ganz im Sinne einer von Lennart stammenden Variante der Definition von Aufklärung: “Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit, oder?”
Links
Wir stellten in unserem Eröffnungs-Post die Problematik von GA kurz dar, und entschieden uns später dafür, piwik durch Mint zu ersetzen.
Das Titelbild stammt von adrian8_8 und steht unter einer By-CC-Lzenz
Ich finde das TechCrunch-Zitat ja super ;-)
Wer sich von den Google Methoden wirklich bedroht fühlt, der soll Google meiden und sich für Firefox NoScript und Co. installieren, um JavaScript und somit auch Google Analystics und Google AdSense zu blocken!
Eine gewisse Prägnanz haben die Kommentare, das stimmt wohl ;-)