
Torchlight hier, Torchlight da, das gesamte zockende Internet redet seit ein paar Tagen von dem neuen Spross der Diablo-Väter, die sich nach der Haverie der Flagship Studios unter dem Namen Runic Games neu for- und firmiert haben. Ich als alter Diablo-Süchtling konnte mich dem natürlich nicht entziehen und habe die letzten Abende damit verbracht, mich immer Tiefer in die Minen von Torchlight vorzuschnetzeln.
“Welcome to Torchlight!”
Wir befinden uns in der kleinen Bergbausiedlung Torchlight, in der fleißig nach dem magischen Erz Ember gegraben wird. Es wird immer tiefer gegraben und plötzlich tauchen Monster auf. Aber zum Glück sind wir ja bereits in Gestalt einer der drei spielbaren Klassen Destroyer (Nahkämpfer), Vanquisher (Fernkämpfer) oder Alchemist (Magier) im Städtchen eingetroffen und machen uns daran die Bedrohung zurückzuschlagen.
Wie nicht anders zu erwarten, steht das Auftauchen der Monster in irgendeiner Verbindung mit dem Ember, der Bösewicht Syl hat auch irgendwie seine Hände mit im Spiel und wie es scheint gab es auch eine niedergegangene Kultur die bereits das Ember für sich nutzte.
Wie man sieht handelt es sich um eine ganz gewöhnliche 08/15 Action-RPG Story, die eher von periphärem Interesse ist, widmen wir uns also erstmal der optischen Präsentation des Ganzen.
“Wuusch”
Der WoW-esken Comiclook ist wahrscheinlich nicht Jedermanns Geschmack, ich finde jedoch, dass er sehr gut zum Fantasy- Steampunksetting des Spiels passt und den Dungeons ein jeweils sehr passenden Flair verleiht.
Darüber hinaus konnten, durch Nutzung der OGRE-Engine und dem Verzicht auf Shader, die Hardwareanforderungen des Spiels sehr gering gehalten werden. Laut eigener Aussage der Entwickler können sie es sogar auf ihren Netbooks spielen. Ich hatte auch keinerlei Probleme Torchlight mit ausgemaxten Settings auf meinem 13″ MacBook Pro unter BootCamp zu spielen. Spore hat da deutlich mehr rumgezickt und sah um ein vielfaches schlechter aus.
Torchlight fackelt da hingegen bei den Kämpfen ein Effektfeuerwerk ab, dass zwar manchmal auf Kosten der Übersichtlichkeit geht, den Scharmützeln allerdings einen bisweilen epischen Charakter verleiht.
Eines ist jedoch ohnehin viel wichtiger als der ganze glänzende Schnickschnack, und das ist das Gameplay.
“Nur noch dieses eine Level!”
Wer Diablo gespielt hat wird sich in Torchlight sofort zurechtfinden. Klick = Monster tot = Beute. Dieses unsere Urinstinkte als Jäger und Sammler ansprechende Spielprinzip ist so einfach wie genial und funktioniert auch noch 9 Jahre nach dem fantastischen Diablo 2. Torchlight hat es da auch gar nicht nötig das Rad neu zu erfinden, es als Diablo-Klon abzutun halte ich dennoch für falsch. Vielmehr setzt Torchlight konsequent die Stärken seines Ahnen fort und fügt da wo es sinnvoll ist Neuerungen ein.
Eine der größten Schwächen Diablos war das ständige Backtracking. Taschen voll? Portal auf, zurück in die Stadt und Sachen verkaufen. Das hat nach einer Weile ziemlich genervt und die Spielzeit auch nur künstlich verlängert. In Torchlight hat man stattdessen einen kleinen Begleiter – wahlweise Wolf oder Luchs – der mit eigenem Inventar daherkommt und so einen wunderbaren Lastesel abgibt. Sind seine Taschen voll, schickt man ihn einfach kurz an die Oberfläche und nach knapp einer Minute ist er mit dem erzielten Erlös der Beute wieder zurück. Praktisch!
Daneben greift er auch noch aktiv ins Kampfgeschehen ein und man kann ihm sogar Zaubersprüche beibringen. Ein Feuerball spuckender, Skelettbogenschützen beschwörender Wolf? Kein Problem!
Die erwähnten Zaubersprüche kann übrigens auch der Alter Ego erlernen. Somit sind die drei Charakterklassen nicht nur auf ihr Zauberreportoire beschränkt, sondern können noch individueller den eigenen Wünschen angepasst werden. Denn wieso sollte mein Destroyer nicht auch Feuerbälle verfen können? Etwa weil die Entwickler das so wollen? Torchlight lässt einem hier wirklich viele Freiheiten.
Kein Multiplayer?!
Einer der Gründe warum Diablo II auch noch Jahre nach Release so viel gespielt wurde, war natürlich der Multiplayer Modus, um so erstaunlicher ist es also, dass Runic bei Torchlight darauf verzichtet hat. Ich bin jedoch geneigt, gerade diese Tatsache als einen der großen Stärken Torchlights anzusehen.
Beim Spielen von Torchlight merkt man sehr schnell, mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler sich auf den Singeplayer Modus konzentriert haben. Da wäre zum Beispiel die Gemeinschaftstruhe, in die man Items reinlegen kann, auf die dann auch alle anderen Charaktere zugreifen können. Das beugt effektiv dem Frust vor, wenn man ein gutes Schwert gefunden hat über das sich mein Destroyer mächtig freuen würde, mit dem mein Alchimist allerdings nichts anfangen kann. Oder aber auch der Endlos-Dungeon, der auch nach Abschlus des Hauptquest noch einige Stunden Spielspaß garantiert.
Davon abgesehn soll in gut zwei Jahren ein Torchlight-MMO erscheinen, Runic täte also nicht gut daran sich bereits im Vorfeld selber Konkurrenz zu machen.
MYOG (Make your own Game)
À propos Freiheiten, seit Heute ist der offizielle, auch von den Entwicklern verwendete Editor für Torchligh verfügbar. Mit diesem kann man laut Runic beinahe jeden Aspekt des Spiels seinen eigenen Wünschen anpassen. Neue Dungeons, neue Monster, neue Charakterklassen, neue Waffen, neue Zauber oder auch eine Total Conversion ist damit kein Problem.
Man darf wirklich gespannt sein was für Mods in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt werden, und für Runic dürfte mit dem Release des Editors der Erfolg von Torchlight trotz fehlenden Multiplayers in Stein gemeißelt sein.
Fazit
Torchlight ist für mich ganz klar das beste Action-RPG seit Diablo II. Was habe ich darauf gewartet endlich einen würdigen Nachfolger spielen zu können. Beindruckt bin ich auch von der kurzen Entwicklungszeit von gerade mal 11(!) Monaten. Dass ein so hochwertiges Spiel in der Zeit der multimillionen Spielentwicklungen in so kurzer Zeit überhaupt möglich ist, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Für gerade mal 20 $ (ca. 16 €) kann man mit einem Kauf wirklich absolut nichts falsch machen, zumal durch den Release des Editors ein ständiger Strom an neuem Content quasi garantiert ist. Auch wenn man seinerzeit Diablo II nicht gespielt hat, sollte man Torchlight mal eine Chance geben, denn es macht einfach höllischen Spaß und eignet sich auch wunderbar für eine kleine 20 min Session. Ach ja, die Wartezeit auf Diablo III versüßt es natürlich auch. Das kommt nämlich wahrscheinlich erste 2011.
Eins sei noch anzumerken: Torchlight ist auf “normal” wirklich arg leicht, für maximalen Spielspaß empfehle ich unbedingt Schwierigkeit “hard”.
Screenshot: http://www.torchlightgame.com/wp-content/uploads/1-year-stomp.png




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