Ich hatte wirklich schon X-fach Versuche unternommen, Ubuntu zu meinem Haupt-OS zu machen. Jedes Mal gab die nervtötende Einrichtung der Grafikkarte, des Musikprogramms, oder der Maus (Ja, der Maus!) den Ausschlag, dieses Hippie-OS doch wieder vom Rechner zu verbannen. Das verpönte und viel belächelte, eventuell wirklich etwas eigentümliche Windows XP erhielt wieder Einzug auf meinen Festplatten, denn wenigstens war es eines: bekannt.
Fehler und Probleme gab es zuhauf, doch immerhin hatte ich mir seit Windows 95 das nötige Wissen angeeignet, wie sie zu beheben waren.
Und kürzlich war es wieder soweit: Die “ich probier mal wieder Linux”-Schwelle war überschritten, und zufällig stand auch Ubuntu 9.10 kurz vor dem Release.
Ergebnis: Ich schreibe diesen Artikel unter Ubuntu, und bin ziemlich angetan von “Karmic Koala”, wie der Codename dieser Ubuntu-Version ist.
Langsam aber sicher bewegt sich die Distribution in einen Bereich der Usability, die keine Programmierer-Fähigkeiten voraussetzt.
Einfachere Konfiguration über grafische Menüs, mehr Konfiguration die von selbst läuft, bessere Einbindung der eventuellen Windows-Partition sind Aspekte, die angenehm auffallen. Sowie wahrscheinlich zigtausend Einzelheiten, für die ich Ubuntu noch nie intensiv genug genutzt habe, als dass sie mir überhaupt auffallen würden.
Symbolisch für diese Entwicklung ist die frische Seite, auf der Ubuntu zum Download bereitgestellt wird. Für Menschen, die nicht schon an der Dateiendung erkennen was sie mit der heruntergeladenen Datei anstellen müssen, wird mit kurzem Erklärungstext eine helfende Seite verlinkt. So, und nicht anders muss es aussehen.
Die fachliche Kompetenz der Entwickler und eingefleischten Nutzer brachte immer schon den Hauch von Arroganz mit sich, eben weil Linux seit jeher die Spielwiese des Technik-Nerds ist. Vokabular und vorausgesetztes Wissen der Linux-Gemeinde haben sicher schon eine Menge Windowsuser eben solche bleiben lassen. Das früher häufig nötige Herumdoktern in einer Ubuntu-Konsole, die einen Fehler des Nutzers mit einem nicht mehr erfolgenden Systemstart quittiert, tut hierzu ihr Übriges.
Hier ist wirklich eine Öffnung wahrzunehmen, eine zunehmend simple und daher sympathische Präsentation dieser “ganzen Open-Source-Geschichte, alles kostenlos und so”.
Whatup?
Was mich immer begeistert, ist ein ganz frischer Ubuntu-Desktop. Frisch nach der Installation ist zwar noch nicht alles da was man braucht (davon jedoch einiges mehr als bei Windows), aber nichts was man nicht braucht und nicht haben möchte. Sämtliche bis fast sämtliche Treiber verrichten längst ihren Dienst, ohne dass Google bemüht werden muss – was aber möglich wäre, denn das Internet spendende Netzwerk hat Ubuntu i.d.R. längst erkannt.
Es ist kein nervender MSN-Messenger in der Taskleiste, und Ubuntu schlägt keine Firewall für den eigenen Schutz vor. Betriebssystem-Updates sind keine Krankheit, die den halben Tag dauern und den Rechner lahm legen. Programme updaten sich auch nicht selbst wenn sie Lust dazu haben, Ubuntu regelt alles ganz souverän und zentral.
Ja, Ubuntu ist für mich momentan das Chuck Norris der Betriebssysteme.
Man kann und sollte auch Windows nutzen, das ist besser als nichts. Aber man sollte auf jeden Fall Ubuntu ausprobieren, ihm eine faire Chance geben.
Und, ganz wichtig: Haben Sie Kinder? Lassen Sie sie bitte von Anfang an nur Ubuntu nutzen. Und zwar bis kurz bevor sie hinaus müssen in die große weite Welt, und auch mit Windows umgehen können müssen. Oder mit OS X, falls es denn Kommunikationsdesign / Kunstgeschichte / Erlebnispädagogik zum Studium sein soll.
Es ist einfacher (und besser) als du denkst. True Story
Falls schon jemandem der Mund wässrig geworden ist: Grundsätzliche Fragen sowie auch alle weiterführenden beantwortet die Plattform ubuntuusers.de ganz hervorragend. Für den Otto-Windowsuser ist ein großer Teil des Linux/OpenSource/Ubuntu-Vokabulars komplett fremd, daher empfiehlt sich der Einsteigerartikel in jedem Fall. Wer im Familien- oder Freundeskreis schon immer groß auftrumpfen wollte bei der Frage, was genau denn nun eine “Distribution” sei, dem sei der etwas grundlegendere Infotext Was ist Linux? nahe gelegt – keine Angst vor dem Nerd-Ruf ;-)
Für den Aha-Effekt: Der Fenstermanager Compiz verbindet Usability mit grafischen Finessen, die Windows recht fremd sind, die man eher bei OS X einordnen würde. Videos, die während der Wiedergabe transparent und wabernd umhergezogen werden können, sind eigentlich schon Selbstzweck genug. Doch auch wirklich nützliches hat Compiz zu bieten, nur ein Beispiel ist die übersichtliche Anordnung aller offenen Fenster:
i-Tüpfelchen
Dann ist da noch etwas: Gnome Do.
Dass Gnome Do es auf mein Ubuntu geschafft hat, ist natürlich Tips von anderen Ubuntuusern zu verdanken. Hier ist der “auskenn”-Faktor zu spüren, denn jedes Betriebssystem möchte natürlich erst einmal erkundet werden. Aber: Damit anfangen lohnt sich, Gnome Do soll ein Beispiel sein.
Es verbindet die Vorteile einer Desktopsuche mit der Macht von Konsolenbefehlen mit der Nutzbarkeit einer grafischen Oberfläche. Nach einer gewissen grundlegenen Einrichtung kann Gnome Do z.B. folgendes:
Und das alles nach dem Drücken einer Tastenkombination, Eingabe des Begriffes und anschließend etwas Pfeiltasten-hoch-runter-Gedrücke (mit dem man die benötigte Funktion auswählt). Das hört sich nicht mal so kurz an, aber ist um ein Vielfaches schneller als: Das benötigte Programm starten, Funktion finden, Aktion ausführen, Begriff eingeben [...]
Gnome Do erfordert etwas Übung und ist nicht immer ganz intuitiv, das muss man auch sagen. Aber dafür ist es erst Version 0.8.2, man kann also sicher sein: Es wird besser.
Quelle Header: Ubuntu’s Boot Screen von DavidRGilson, unter By-CC-Lizenz
Genutztes Hintergrundbild im 1. Screenshot: “The Beach” von moc 246 auf DeviantArt, unter By-Nc-Nd-CC-Lizenz





also als softwareentwickler hab ich meist keine updates nötig!, und wollte demnach auch erst bei 8.10 bis 10.04 bleiben.
vor lauter entdeckerfreude hab ich mir die 9.10 karmic in der liveversion besorgt und war erstmal vom neuen soundinterface überrascht (ja jetzt funktioniert sogar mein 5.1 surround)
das nächste bonbon war dann auch sofort gefunden -> das tolle frontent zum hinzufügen und entfernen von programmen (jetzt software center) ist absolut spitze gemacht (obwohl teilweise noch mit englischer beschreibung und nicht funktionierenden screenshots)
super distribution ich hoffe sie bleibt weiterhin so gut da ich mir kein ms mehr holen werde und mich schon so an ubuntu gewöhnt hab :)