Wie schon ge- und beschrieben, war ich sehr gespannt auf James Camerons neues Kinospektakel “Avatar”. Kann der Film nach dem monströsen Hype die Erwartungen erfüllen, oder ist er nur eine reine Technikdemo?
Wow.
Ist er nicht, er ist wirklich ein großes Spektakel, das was ich unter allerbestem Popcorn-Kino verstehe. Falls noch mindestens zwei Fortsetungen hinzukommen, ist “Avatar” definitiv das “Star Wars” unserer Zeit. Die Basis bildet eine Story, die nicht unbedingt preisverdächtig ist, aber den Zuschauer fesselt und solide ist.
Absolut atemberaubend ist dann alles, was oben drauf kommt: Sei es die nahtlose Verknüpfung von “Realfilm” und animierten Objekten (bzw. anders herum); die erste animierte Welt, die nicht irgendwie nach Plastik aussieht – und, ach ja, diese ganze 3D-Geschichte.
Kino erlangt wieder eine Daseinsberechtigung
Das Filmerlebnis im Kino in 3D, am “Kinotag” und mit Überlänge (161 min.) kostet hier, im Umland Hamburgs 12,80€. Das ist natürlich unverschämt viel, relativiert sich aber durchaus. Es gibt viel zu viele ranzige Kinofilme, die nach einem unkomplizierten Spaß aussehen, sich dann aber eher als ein echtes Ärgernis entpuppen. Sieben bis neun Euro, die man auch hätte verbrennen können… daher ist der hohe Preis für das Erlebnis von “Avatar” aus meiner Sicht nicht großartig zu beanstanden.
Eindruck
Die ersten Minuten von “Avatar” spielen in nicht-animierten Innenräumen, was leider auch direkt die schwächste Stelle des 3D-Konzeptes zu sein scheint. Man muss sich etwas daran gewöhnen, den Fokus des Bildes zu finden und sich nicht durch die (gewollten) Unschärfen im Bild stören zu lassen (War mein erstes Mal 3D, hihi).
Manchmal gehen die Unschärfen wohl auch über das gewollte Maß hinaus, nämlich wenn man das Bild wirklich doppelt gezeichnet sieht – dies tritt auch in Innenräumen am Bildrand hin und wieder auf. Hierzu muss ich jedoch anmerken, dass wir Plätze ganz außen hatten. Das mag eine Erklärung für die manchmal suboptimalen Erscheinungen sein. Hier ist wahrscheinlich ohnehin jedes Kino selbst für die Kalibrierung und gesamte Einrichtung des eigenen 3D-Systems verantwortlich, daher gebe ich Cameron nicht die Schuld für die geringen Unzulänglichkeiten des Bildes ;-)
Dreideh!
Fliegt der Film jedoch über Pandoras Flora, und schwirrt etwas Fauna mit Na´vi (Dem Volk auf dem Planeten “Pandora”) drauf vor der virtuellen Linse herum, sind absolut keine Schwächen der 3D-Technik auszumachen. Und “keine Schwächen” ist gar kein Ausdruck, wirklich nicht!
Cameron protzt nicht in jeder Filmminute mit in die Kamera springenden Ungeheuern oder ähnlichem, aber das ist gerade das angenehme. Der dichte Dschungel auf Pandora wirkt plastisch, die weit geschwungenen Glas-Bildschirme in der Basis der Menschen ebenso.
Wenn es dann aber zur Action geht, werden natürlich einige MG-Salven und ähnliches durch das Blickfeld gejagt. Das Filmerlebnis ist wirklich verdammt intensiv, ein ganz anderer Schnack als verstaubte, unscharfe Kinofilme mit durchweg ruckelnden Kameraschwenks. Die haben zwar auch ihren Charme, aber hierbei geht es nicht um Charme. Sondern um die Zukunft des Kinos, und die hat Cameron ganz eindeutig eingeläutet.
Gedanken zum Schluss:
Was “unter der Haube” von Pandora alles steckt, ahnt man kaum. Aber James Cameron hat diese Welt bis ins kleinste Detail erdacht und virtuell aufgebaut. Die Sprache wurde von einem Spezialisten entwickelt und ist neben Klingonisch evtl. eine weitere Sprache, die der Nerd von Welt in Zukunft beherrschen muss. Sämtliche Tiere und Pflanzen haben englische, lateinische und Namen auf Na´vi. Flora und Fauna des Planeten sind glaubhaft aufgebaut, wie der Biologiestudent (Iven war’s!) unserer Kinotruppe anmerkte.
Daher steht die Frage nach einem zweiten Teil im Raum, auch wenn Cameron dafür tief in die Story-Trickkiste greifen müsste, um erneut begeistern zu können. Aber lassen wir uns überraschen.
Der Vollständigkeit halber: Ja, die Story ist eigentlich von Pocahontas geklaut und im ganzen nicht sehr tiefgehend. Aber wen kümmert’s? Der Film ist a-t-e-m-b-e-r-a-u-b-e-n-d, daher ist er uns auch folgendes Siegel wert:
Links
wired.com hat etliche interessante Artikel zum Film und dem Drumherum online. Der Einfachheit halber stelle ich sie kurz vor:
James Cameron’s New 3-D Epic Could Change Film Forever beschreibt – für jüngere Semester wie mich – den Werdegang Camerons, was ungefähr der Entstehungsgeschichte von “Avatar” entspricht. Der Artikel schneidet auch die technische Seite des Films an.
Inventing Effects to Create the Avatar Universe stellt kurz eine Situation am Set von “Avatar” vor, beschäftigt sich mit der virtuellen Kamera, die Cameron entwickelt hat. Inklusive: ““I can’t operate a camera with a fucking mouse,” he says.”
5 Steps to Avatar: Reinventing Moviemaking beschreibt an 5 Stationen in 5 Bildunterschriften, wie eine Szene in Avatar zusammengesetzt wurde.
Natürlich hat wired auch eine ganz normale Kritik geschrieben: Review: Powerful Avatar Stuns the Eye, Seduces the Heart
Zum Thema 3D-Technik allgemein ist noch folgender Artikel empfehlenswert: How 3-D Movie Projection Works
Natürlich haben weitere Seiten über “Avatar” geschrieben
Frédéric Valin hängt sich auf spreeblick.com in seiner Kritik an der Story und Camerons Komemntierung derselben auf. Er stört sich an Camerons Statements aus Marketing-Interviews, auf die Frage hin, ob uns der Film nicht zu einem besseren Menschen macht. Das lasse ich einfach mal im Raum stehen.
TechCrunch meint: Avatar is like the iPhone of movies
Jens Scholz: Wenn ich ins Kino gehe, ein Artikel den ich hiermit im übertragenden Sinne “unterschreibe”
P.S.: Und so sehen die 3D-Brillen aus.
P.P.S.: Beetlebum ist auch beeindruckt
P.P.P.S.: Wie mir zugetragen wurde, sind sogar Sozialpädagogikstudentinnen (!) begeistert von dem Film. Wer also “sonst sowas” oder “iih, Science-Fiction” verabscheut und deswegen den Kinobesuch aussetzt… mag sich irgendwann wirklich ärgern.
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Habe ich noch vor mir, da das Cineplex ja sogar 3D anbietet ;-)
Achte auf mittige Sitzplätze ;-)
Ja, wobei letztes mal habe ich “Eine Weihnachtsgeschichte” gesehen und da saß ich recht… Das ging auch, zwar suboptimal, aber immerhin 3D ;-)