“Windows Media Center”, diverse aufgeblasene DVD-Softwares, Fernbedienungen für PCs, und sogar iTunes: All diese Ansätze der Organisation von eigenen Filmen, Musik etc. geben einem nicht die Möglichkeiten, die erforderlich wären für die Organisation eines einigermaßen ausgewachsenen Medienbestands.
Mit dem Erwerb eines Films oder Musikstücks sollte es einem doch in Hinblick auf die heute verfügbare Technik möglich sein, jederzeit und überall auf das Erworbene zurückgreifen zu können. Ob unterwegs im Auto, in der Bahn am Laptop, auf sonstigen mobilen Geräten – und erst recht überall und ohne jede Einschränkung im heimischen Netzwerk.
Aber nein, Musiktitel sind an die sie befördernde CD gefesselt, Filme an ihre DVDs. Durch das Rippen auf den eigenen PC befreit man Medien auch nicht unbedingt: Volle (und vor allem: unkomplizierte) Verfügbarkeit im Netzwerk ist dadurch nicht gegeben.
Apple hat mit iTunes zwar eine imho (@Wikipedia) sehr komfortable Medienbibliothek im Portfolio, die auch Zugriff über das Netzwerk ermöglicht. Hier muss jedoch jeder Film einzeln eingepflegt werden, sofern er nicht über den iTunes-Store gekauft wurde. Volle Funktionalität ist auch nicht gegeben, Playlists aus eigenen Liedern und welchen, die auf einem anderen Rechner im Netzwerk liegen, sind nicht möglich. Filme im .mkv-Format verdaut iTunes ebenso wenig. Der iTunes-DJ obendrein nur Lieder vom lokalen Rechner in die automatische Playlist befördern.
Die beste Lösung fürs “Zuhause”
So unkomfortabel es auch ist: Mit einer Tastatur im Wohnzimmersessel vor einem Rechner mit stinknormalem Betriebssystem und z.B. iTunes zu sitzen, scheint momentan das Optimum zu sein. Auf diese Weise ist wenigstens der Zugriff aufs heimische Netzwerk möglich. Jede weitere “Media”-Software benötigt Einrichtung, ständige Synchronisierung oder ist auf den Datenbestand des jeweiligen Rechners beschränkt, böte also keinen Vorteil.
Als ergänzende Lösung für den Medienbestand fiele mir nur eine Festplatte an einem Netzwerk-Controller ein, die jederzeit verfügbar ist und einfach mit allem gefüttert wird, worauf zugegriffen werden soll. Als Netzlaufwerk könnte sie mit jedem Rechner eines Haushaltes verbunden werden. Synchrone Bibliotheken sind so jedoch auch nicht gegeben, und wer möchte sich schon durch eine ellenlange Ordnerstruktur klicken, um auf Musik zugreifen zu können (ganz davon zu schweigen, dies vom Wohnzimmersessel aus zu machen)? Bei Filmen wäre es gerade noch akzeptabel, da diese nun mal keine Interpreten und Alben zur Kategorisierung benötigen.
Autos?
Und wieso haben nicht einmal die Premium-Autohersteller die Möglichkeiten, von Apple eine Schnittstelle zu fordern, um das iPhone/den iPod touch mit einem Auto zu verknüpfen? Nächster Titel über die Lenkradfernbedienung, Musikbibliothek des iPhones, Telefonbuch selbstverständlich auch das des iPhones, Telefonieren über die Freisprecheinrichtung des Autos, das alles über Bluetooth.
Technisch unmöglich?
Ich vertilge eine iPhone-Ersatzdisplayglasscheibe, falls dem so ist.
Eine andere Möglichkeit wäre auch, dem Auto übermitteln zu können “Sauge dir doch mal diese und jene Musik aus dem heimischen W-LAN, während du parkst.”
Premiumhersteller?
Wo wir ohnehin gerade beim Auto sind: Wo ist eigentlich die Porsche/BMW/Mercedes/Audi/VW-iPhone-App, um über mobiles Internet Fahrzeuginformationen wie Tankfüllstand, Reifendruck, gefahrene Kilometer, gemessene Außentemperatur, Reichweite, oder gar Standort seines Fahrzeuges zu erfahren? Die Programmierung der Standheizung wäre ein weiteres nettes Feature, sowie die zu startende Playlist beim Einsteigen.
Muss Apple erst Autos bauen oder Steve Jobs bei Mercedes einsteigen, bis wir die Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten in diesem Bereich erleben?
Ich schweife ab, zurück zur “Medienverwaltung”:
Mit Apples “AppleTV” ist ein Teil meiner Vision bereits möglich. Jedoch mit den teilweise oben schon genannten Einschränkungen: Begrenzte Formatkompatibilität, Filme die man bei Apple erwerben muss; und das eigentliche Killerargument ist: Die Filme sind per DRM geschützt.
Das heißt: Apple hat den Daumen auf den Filmen, wer sie zu oft auf (eigene) Geräte kopiert, bekommt Probleme. Erwirbt man mit DRM geschützte Dateien, so “leiht” man sich eher das Nutzungsrecht, so lange wie Apple es sich nicht anders überlegt ;-)
Beim Musikvertrieb ist DRM zum Glück schon begraben worden, wie ich in meinem alten Blog beschrieben habe.
Mythbuntu ist die OpenSource-Antwort auf Microsofts “Media Center Edition”. Soweit recht nett gedacht, per Fernbedienung steuerbar etc. steckt es doch noch ein wenig in den Kinderschuhen. Ich sprach weiter oben schon die Synchronisationsproblematik an, sie bleibt auch hier nicht aus.
Logitech bietet auf der Hardwareseite die Squeezebox an. Doch hier fehlt z.B. die gesamte Film-Schiene.
Soweit, sogut: Es gibt vereinzelte Anstrengungen in dem beschriebenen Feld. Doch großformatige, herstellerübergreifende, offene, wirklich kompatible Lösungen: Fehlanzeige.
Gut gedacht, aber von niemandem umgesetzt
Ein weiteres Thema dieses Korridors ist, wie schon erwähnt, Bluetooth. Wie in “Big Bang Theory” angemerkt, gilt: “Everything’s better with Bluetooth!“, und mittlerweile haben es auch sehr viele Geräte.
Nur leider ist die Kompatibilitätsrate nicht allzu hoch. Längst nicht jedes Gerät mit Lautsprechern kann Signale von Geräten mit Wiedergabefunktion empfangen und verarbeiten. Bluetooth-Kopfhörer gibt es in Deutschland gefühlte 2-4 verfügbare Modelle, davon ist die Hälfte Schrott. Warum hat mein Lieblings-PC-Soundsystemhersteller “Teufel” in seine Decoderstation zwar einen digitalen Eingang eingebaut, aber keine verflixte Möglichkeit, über Bluetooth Signale zu Empfangen?
Die ich-weiß-nicht-wie-alte “Schnittstelle” 3,5mm Klinke zwar in Ehren, aber soll sie auf einer schlechten Party weitere 20 Jahre die verbindende Antwort sein auf die Frage “Hast du n MP3-Player mit?”
Wieder hat in dieser Hinsicht Apple die Nase vorne, und bietet mit dem iTunes-DJ ein sehr cooles Feature. Über W-LAN kann der Gastgeber seinen Gästen erlauben, sich Titel aus seiner Playlist zu wünschen. Je nachdem wie viele Stimmen ein Titel hat, wandert er in der Playlist nach oben. Apple-interne Demokratie, eine ganz wunderbare Geschichte ;-)
Sieht denn niemand die Möglichkeiten?
Doch auch hier gilt: Mehr davon, liebe Hersteller! Warum nicht eine offene Schnittstelle für solche Features entwickeln, unterstützen, und mit der OpenSource-Bewegung teilen? Corporate Responsibility für gute PR, Fortschritt für Innovationen, die sich in guten Produkten und ordentlichem Gewinn niederschlagen.
Die Offenheit von Schnittstellen ist das A und O, außer Apple kann es sich eigentlich realistischer Weise kein Hersteller erlauben, nur die eigenen Produkte zueinander kompatibel zu halten. Täte es so weh, sich der Benutzerfreundlichkeit ernsthaft anzunehmen?
Die traurige Wahrheit ist: Es werden mögliche Innovationen verhindert, und zwar aus zwei möglichen Gründen:
Global Player der Soft- und Hardwareseite haben entweder Scheuklappen auf, oder unterliegen dem Irrglaube, sie könnten irgendwann alleine mit einer Komplettlösung aufwarten.
Sie können es aber definitiv nicht, wie die letzten 10 Jahre gezeigt haben. W-LAN ist nicht vom Himmel gefallen, und Bluethooth gibt es auch schon länger. Filme sowieso. Nur die (eigentlich logische) Kombination aus alledem und noch viel mehr, die bekommen wir komischer Weise nicht geboten.
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Also ich habe unten auch ein kleines Mediacenter im Wohnzimmer. Allerdings kein Computer, sondern einen extra WLAN-Mediaplayer und zwar ein Archos TV+ (für 80€ bei eBay als B-Ware, sonst 140€ @ amazon). Der spielt eigentlich alles ab an Videos, kann auf freigegebene Musikplaylist zugreifen und auch auf Bilder.
Nachteil, kein HD, nur 576er Qualität (also DVD-Auflösung, HDMI möglich). Kleine Tastatur auf der Fernbedienung (praktisch) ist etwas funzelig…
Mit nachgerüsteten Plugins kann ich sogar Surfen! ;-) Außerdem ist es auch ein kleiner Festplattenrekorder, allerdings ist dabei die Qualität nicht so gut… Es hat auch eine 250GB Festplatte drin.
Dazu habe ich an meiner FritzBox 7230 eine 1,5 Terabyte Externe Festplatte per USB angeschlossen und den Fritz!Mediaserver aktiviert. Dann habe ich da alle meine legalen Privatkopien darauf gezogen und jetzt kann ich meine ganze Mediathek im Wohnzimmer genießen, über ein etwa 30×20 größes Gerät ;-)
*Ich entschuldige mich für diesen, nach Werbung klingenden, Kommentar…*