Nach dem letzten, reinen “Wiedergabe”-Post zur iPad-Vorstellung folgt nun einer mit Gedanken. Was hat Apple da gemacht?
Es hat ganz den Anschein, als hätte heute die gesamte Twitternation und Apple-Gemeinde dabei zugesehen, wie Apple nach der Musik noch einen Medienbereich revolutioniert: iBooks auf dem iPad ist wahrscheinlich das, was Amazons Kindle überflüssig und eBooks endlich zum Massenmarkt machen wird. Wer sollte schon für 260$ ein Kindle kaufen, wenn er für (ja, fast das doppelte, aber trotzdem) 500$ ein iPad bekommt? Schwarzweiß-Display gegen hochwertiges LCD, Bücher herunterscrollen gegen Filme gucken, kleine Knöpchen gegen Touchscreen, ich muss wohl nicht weitermachen.
Is there room for a third category of device in the middle? [...]
Some people have said it’s a netbook. the problem is netbooks aren’t better at anything.
They’re slow, they have low quality displays, they run old PC software.
Steve Jobs in der Keynote, Quelle: GadgetLab
“Hilfe, die Welt ist ein Apfel!”
Der Punkt wäre also abgehakt. Was übrigens als Antwort auf sämtliche “Öh, was für ein Hype!“-Statemens gelten kann. Man muss sich mal vor Augen führen, was Apple leistet. Diese Firma befindet sich auf dem Weg in den Untergang, holt ihren vorigen Chef wieder ins Boot, und wird zunächst Hardwarehersteller für Möchtegern-Alternative.
Und nun, wie nebenbei treibt Apple wie niemand sonst die Entwicklung, den Fortschritt überhaupt an. “Musik online kaufen sollte günstiger sein, und am besten fair” – Die Möglichkeiten dazu waren schon lange da, Apple nutzte sie und sprach damit vorwärtsgewandetn Menschen aus der Seele.
Das mobile Internet war teuer, langsam, teuer und unpraktikabel. Das erste iPhone konnte kein UMTS in hoher Geschwindigkeit, aber es hat das mobile Internet trotzdem als erstes Gereät benutzbar gemacht.
Was aus Büchern wird, wenn das iPad Ende des Jahres so richtig stark verbreitet ist, wird man dann sehen. Der Anfang der zu beobachtenden Entwicklung ist auf jeden Fall der heutige Tag.
Display
Was fällt einem sonst noch ein? Das iPad ist also im Prinzip ein aufgeblasenes iPhone geworden.
Designmäßig möchte sich bei mir kein wirklicher Aha-Effekt einstellen, wohl ob der Tatsache dass das Produkt diversen kursierenden Fakes sehr ähnlich sieht. Und eigentlich etwas schlechter. Die steile, recht dicke Kante kommt nicht so schmiegsam daher wie diverse Fantasie-Tablets, die eher aussahen wie der Deckel des MacBook Airs.
Was aber viel stärker ins Gewicht fällt: Das Display bzw. das nicht-Display. Das iPad hat einen dicken Rahmen um das Display, das Gehäuse ist um Einiges größer. Was nun technisch machbar ist und dass der Preis unter den meisten Erwartungen bleibt ist das Eine – der spontane, eben geäußerte Eindruck ist das Andere.
Missing Features
Dass das iPad unerwartet erschwinglich ist, bringt wohl auch einige Nachteile mit sich. So ist das von vielen erwartete Feature “Multitasking” nicht vorgestellt worden. Tetris spielen und gleichzeitig den Instant Messenger im Auge behalten? Das Display böte bei weitem genügend Platz, der Akku aber womöglich nicht genügend Kapazität. Schade. Solange das iPad nämlich kein Multitasking unterstützt, kommt dieses Feature ganz sicher nicht aufs iPhone.
Vielleicht ist dies eine Innovation, die im Sommer mit dem iPad S vorgestellt wird, wer weiß ;-)
Was man mit einem gejailbreakten iPad alles anstellen kann wird ohnehin spannend.
BTW: Dass das iPad durch den geringen Preis und das damit einhergehende technische Niveau für den nächsten Kindle jedoch “erreichbar” ist, das glaube ich absolut nicht. Holger Schmidt vertritt diese Meinung auf seinem Blog “Netzökonom”: Auch Steve Jobs kann nicht zaubern. Aber man muss ja Besucher auch ab und zu durch wirre Thesen auf seinen Blog ziehen ;-)
Am abenteuerlichsten ist noch der Umstand, dass Apple einem Gerät mit 1Ghz-Prozessor es nicht zumutet, Flash-Inhalte abzuspielen. Was soll das?
Exklusiv?
Ob oder in welcher Weise eine mobile Datenflat zur 3G-Nutzung an einen exklusiven Apple-Partner gebunden ist, scheint momentan etwas unklar. Steve Jobs sprach von besonders günstigen Konditionen bei AT&T in den USA (250MB/15$; unbegrenzt/30$, was mitnichten günstig ist) – die Tarife sind jedoch jederzeit zum Monatsende kündbar. Von allumfassender 2 Jahres-Bindung also keine Spur, ein Simlock (Gerätnutzung nur mit einem einzigen Provider möglich) im iPad scheint also unwahrscheinlich.
Good News, everyone!
Der Versuch eines Fazits
Ob man 700 Gramm locker-lässig dauernd in der Hand halten wird, ob das iPad der neue Indoor-Notizblock wird, die 3G-Version das neue Starbucks-Screenplay-Writer Lieblingstool wird, man weiß es noch nicht. Dass sich die Entwickler erst an einen derart großen Touchscreen gewöhnen müssen mag nur halb so stark heiße Luft sein wie es sich anhört.
Eventuell stehen die großartigsten Apps erst heute Abend als Idee im Kopfe eines Entwicklers in den Startlöchern. eBooks werden durch das iPad in der Masse ankommen, das dürfte sicher sein.
Inwiefern die Neuerungen rund ums iPad Auswirkungen auf das 3G S oder das nächste iPhone haben wird sich ebenfalls ers zeigen müssen. Wir sind gespannt.
Update 30.01.10: Man wird übrigens keine “normale” Sim-Karte im iPad verwenden können. Wireds Epicenter weist darauf hin. Ob deutsche Provider in der Lage sind spezielle, günstige Datenflats mit mini-Sims anzubieten, wird sich zeigen. Hierzulande spräche eigentlich nichts dagegen, da hier imo kein 3G-Frequenzwirrwar wie in den USA herrscht – die Hürden für nicht-exlusivpartner-Provider sind also nicht so hoch wie in den USA.

Flash ist die Pest.
Ich kann da nur aus Erfahrung sprechen, die CPU meines MacBooks arbeitet unter Normallast bei gemütlichen 50°C, kaum schau ich mir nen Clip auf Youtube an, klettert die Temperatur schnell auf 70°C und mehr bei einer Prozessorlast von gut 30%. Man kann sich vorstellen was das für Auswirkungen auf die Batterielaufzeit des iPads haben würde.
Wenn durch Verzicht darauf die Etablierung von HTML5 vorangetrieben wird, ist mir dass nur recht.
Stockholm!
Das iPad ist wohl mit 1 GHz nicht besser (eher im Gegenteil) als die gängigen Netbooks.
Der Allgemeinnutzen von Apple hält sich doch stark in Grenzen: Mit all den Apps wird nicht das “Mobile Internet” vorangetrieben, viel mehr konzentriert sich Entwickler-Zeit auf Applikationen, die nur einem geringen Prozentsatz der Nutzer des “mobilen Internet” nützen, der Marktanteil von Blackberrys ist zB deutich höher als der von iPhones. Der Hype besteht eigentlich darin, dass alles sich aufs iPhone stürzt und damit völlig an der Mehrheit vorbeientwickelt.
PS: Und warum ist ein
Glare-Display bei Apple auf einmal ok? Schon klar, Touch und so – aber während solch ein Display bei Netbooks zum absoluten NoGo mutiert, wird es hier wieder auf dem Tablett serviert *hundertzwanzigeuroindiewortwitzkasse*.
@Iven Also deine Argumentation erinnert mich ein wenig an die der Grünen beim Thema Tempolimit. “Mein Auto fährt eh nicht schneller, also Limit 130″
Flash-Inhalte auf Warteposition und Nutzung nur bei Bedarf? Das wäre jawohl nicht allzu schlimm.
Nun sitzt du vor einem riesigen Bildschirm und bist doch recht eingeschränkt in der Nutzung.
@Ernie Wieso Stockholm, ich hab doch noch gar keins :P
Ein glare-Display ist auf einmal ok, weil es sich um ein IPS-Panel handelt, das trotzdem gute Ablesbarkeit bietet.
Mit der Referenz zu Netbooks ist eher gemeint, dass diese als DIE Innovation und Sparte des Jahres 2009 an den Start gegangen sind, und aktuell ein klein wenig im Sande verlaufen. Es geht weniger um die Leistung, als um die Usability. Da die meisten Netbooks mit XP ausgeliefert werden, und so Outlook, Word etc. als Programme nutzen, sind sie schnell überlastet.
Das iPad hat ein eigenes Betriebssystem, das diese Problematik löst – freilich vor allem dadurch, dass man den Notizblock und den Taschenrechner nicht gleichzeitig nutzen kann (#fail). Was schon wieder “aufgrund des großen Displays” etwas bizarr erscheint.
Mobiles Internet ist nicht immer gleich “Apps”. Man hat es offensichtlich verpennt, eine ordentliche Entwicklungsumgebung fürs Blackberry bereitzustellen, sonst gäbe es doch viel mehr Apps. Imo sind Blackberrys höchstens “noch” verbreiteter als zB das iPhone, weil viele unterwegs-Mailchecker sich vor dem iPhone ein BB kauften.
Also ich finde es auch sehr schade, dass es dabei geblieben ist, dass das Tablet nur ein großer iPod/iPhone ist.
Besonders ohne Flash ist es ein wirklich großer Teil, der im Internet an Qualität verloren geht.
Da der Browser nun aber komplett HTML5 kompatibel ist (was gut ist!), bestärkt aber die Meinung, dass Apple auch in Zukunft darauf verzichten wird…
Wenigstens kann man jetzt Youtube (http://www.youtube.com/feather_beta) und Vimeo (http://www.vimeo.com/blog:268), beinahe uneingeschränkt nutzen (Vollbild funktioniert leider noch nicht…)
Und das mit dem Multitasking, da schießt sich Apple selber ins Knie. Bei anderen Herstellern ist das gar kein Problem und erst recht nicht bei Netbooks.
Ich frage mich aber auch öfters, ob die solche Dinge nicht einfach zurückhalten, um stets Update-Potenzial zu haben. Damit können sie dann “neue” Dinge vorstellen, falls bei Ihnen mal der Kreativitätshahn zugedreht ist. Ähnliches konnte man ja beim IPhone 3GS erkennen.
Zu guter Letzt finde ich es, naja, *unangemessen* 130$ für einen 3G support zu bezahlen. Anderseits ist es wirklich recht günstig, allerdings ist es sehr blöd wenn es wieder 1:1 in Euro umgerechnet wird, so, wie Amazon es macht, wenn man es vorbestellen möchte.
Da ich ja schon ein iPhone habe, werde ich mir, wenn ich es mir leisten kann, ein MacBook kaufen und danach mal sehen… ;-)
Noch steht nichts auf Apples Seite, aber ich schätze den Preis für die kleinste Version hier in Deutschland auf 459 €. Die 32 / 64 WiFi Version schätze ich auf 549 € / 639 €. und 3G für alle Versionen wird sich wohl auf ein Plus von 120 € belaufen.
Von wem krieg ich nen iPad wenn ich richtig liege?
Wenn Querbeet in 4,5 Monaten schon neben unseren drei Startups das Spaßprojekt ist gönne ich uns evtl. welche… mal sehen.
Das waren bei mir Preise von Amazon, die hatten das gleich zum Vorbestellen angeboten.
Leider kann ich den Link nicht mehr finden…
Wozu man das iPad nun genau gebrauchen könnte/haben muss weiß ich nicht genau. Allerdings finde ich den Hype im Vorwege, genau wie die „Enttäuschung“ vieler „Nerds“ (Das Wort nutze ich liebevoll im Sinne dieses Blogs) nach der Präsentation übertrieben.
Was Apple in den letzten Jahren auf dem Musikmarkt geleistet hat ist schon echt gut, doch sollte man nicht bei jedem neuen Produkt auf einen ähnlichen Effekt setzen.
Sicher wäre eine Kamera cool gewesen, genau wie ein USB-Anschluss oder Karteneinschub, doch ich denke das wussten auch die Entwickler und haben sich dagegen entschieden. Wenn es aus Gründen die in Richtung „Abzocke“ gehen gemacht wurde, ist das so. Muss ja keiner kaufen!
Außerdem glaube ich auch, dass wir (Leser von diesem Blog) nicht unbedingt die primäre Zielgruppe sind, da es wohl hauptsächlich darum geht digitale Inhalte zu konsumieren. Möchte man komplexere Dinge machen, hat man ja immer noch seinen Mac oder PC. Und trotzdem wird Apple den einen oder andern von uns „kriegen“… :)
In diesem Beitrag von Wilson Rothman wird am Ende eine Zielgruppe angesprochen, für die das iPad sicher großartig ist: „die Alten“. Es ist kein PC, man kann trotzdem viel machen und die Bedienung ist simpel.
http://gizmodo.com/5458531/the-ipad-is-the-gadget-we-never-knew-we-needed
Da stimme ich dir in hohem Maße zu!
Wobei diese Fantasie vom Skypen von iPad zu iPad mit Videofunktion schon echt StarTrek-mäßig cool wäre. Aber das ist alles eine Preisfrage, und das iPad 2 wird alles haben was sich auch wir Nerds wünschen.
Zu der Zielgruppe kommen hier (http://www.wired.com/gadgetlab/2010/01/ten-things-missing-from-the-ipad/) ähnliche Gedanken durch wie du sie anklingen lässt und wie der von dir verlinkte Artikel sie formuliert. (Ich mag die Passage: “We can sit here in our geeky little dorkosphere arguing about it all day, but as much as Apple clearly enjoys our participation, the people Jobs wants to sell this to don’t read our rants. They can’t even understand them.“)
Sie entspricht sehr der von wired: “Those people will probably still have DVD collections, or even VCRs. They don’t even know what HDMI is.”
Die ganze Ausstattung wie auch der Preis lassen vermuten, dass es halt an den Durchschnittsuser gerichtet ist, der sämtliche in der Kritik stehende fehlende Features nicht vermissen wird.
BTW: Habe gerade aufgehört, meine DVD-Kollektion nur auf DVDs liegen zu haben ;-)
PS: Nur TechCrunch sieht die iPhone-User eher am iPad als die Normalo-User: The iPad Is Like Holding The Future. But Only Because I Graduated From iPhone School.
SIM Karten wird man in dem Teil wohl so gut wie alle nutzen können. (http://is.gd/7n5we) micro-SIMs nutzen exakt den gleichen Chip und haben einfach nur weniger Plastik außenrum. Mit ein wenig Ruhe und dem richtigen Werkzeug sollte das kein Problem darstellen. Und Flash? Ich nutze auf meinem Macbook das Safari Plugin ClickToFlash, das blendet, bis ich explizit draufklicke, pauschal alle Flash Inhalte aus. Da muss ich für mich feststellen, dass ich das auch sehr selten bis nie tun muss, erst recht seit youtube die HTML5 beta hat. Da stört mich ein iPad ohne Flash mal überhaupt nicht. Was da schon eher schmerzt ist das Fehlen von Multitasking, zur Not muss es dann eben wieder ein Jailbreak sein. Ebenfalls sehr schick wäre ja auch eigentlich mal eine Kamera für Skype etc gewesen. Ansonsten ist das Ding ansich längst nicht perfekt, ich werds sicher erstmal ausgiebig ausprobieren bevor ich es mir zulege. Aber war das iPhone es 2007 bei seiner Vorstellung? Alles in allem unterstelle ich dem iPad großes Potential, Apple stößt zumindest die Tür in eine neue Tablet Computer Generation weit auf. Das erste Gerät ist sicher technisch nicht der Hit, dazu fehlen zu viele Funktionen. Kommende Generationen werden das denke ich jedoch stark ausbauen. Der Vorsprung vor der Windows Welt, was solche Geräte angeht, ist auf jeden Fall wie beim iPhone schon deutlich sichtbar.
*UPDATE meines Kommentares*
Ich habe übrigens herausgefunden, dass das iPad offiziell von Amazon entfernt wurde.
http://www.BenM.at sagte dazu folgendes:
(Zum Gerücht, dass das iPad bei Verkaufsstart eine Kamera erhält)
“Was ebenfalls verwundert ist, dass Apple jegliches Vorbestellen bei Amazon, T-Online oder Gravis unterbunden und das Entfernen von iPad-Bildmaterial erwirkt hat. Auch lässt sich das iPad bei Apple nicht vorbestellen.
Auf Amazon.de besitzt nur noch das günstige WiFi-Only-Modell mit 16GB ein Produktfoto.
Verwendeten diese Shops “falsche” Produktbilder (ohne Kamera)?
(“Die Verwendung von Produktfotografien zur Bewerbung von Produkten, die nicht dem eigentlichen Produkt in dessen Umfang [...] entsprechen [...] sind irreführend und können als unlauterer Wettbewerb ausgelegt werden.“)”
http://www.benm.at/2010/01/30/ipad-spypic-zeigt-kamera-linse/
@Mats Jaaa, also “nutzen können” ist etwas relativ. Mit JB “hat” das iPad sicher auch Multitasking ;)
Eine SIM zu versauen wäre ja etwas doof, wenn auch kein Weltuntergang. Bleibt noch die Frage der Frequenzen, das sich ja aber hier nicht stellen sollte wie schon erwähnt.
Hoffentlich zaubern Apple/Tmobile keine weitere “Exklusivpartner”-Überraschung herbei.
@Mathis Naja, Apple hat sicher noch keinen Preis für die EU freigegeben, das ist sicher der Grund für die Maßnahmen gegen die Vorbestellbarkeit in deutschen Shops.