Die Lufthansa-Piloten haben sich für einen Streik entschieden.
Die Medien finden hier ein gefundenes Fressen. Die „Premium”-Piloten wollen noch mehr; wie können sie es wagen in Zeiten der Luftfahrtkrise ans Streiken zu denken? Glücklich sollten sie sein, dass sie zu den bestbezahltesten Piloten Deutschlands gehören.
Dass die Piloten in erster Linie nicht für mehr Gehalt, sondern für die Sicherung ihres Arbeitsplatzes streiken, scheint für die Medien nebensächlich.
Warum wird gestreikt?
Neue Tochterunternehmen wie Lufthansa Italia oder Aerologic engagieren „fremdes” Bordpersonal, das nicht nach dem klassischen Lufthansavertrag, sondern nach weitaus geringeren Tarifen bezahlt wird. Somit werden die klassischen Lufthansa-Piloten beim Wachstum des Lufthansa-Konzernes umgangen und durch kostengünstigere Piloten ersetzt. Dass sie sich jetzt in der Krise gegen Nullrunden wehren, ist daher nur verständlich.
Doch dass die klassiche Lufthansa ihren Piloten mehr zahlt als die Konkurrenz, muss nicht heißen dass das zu viel ist. Im Gegenteil. Seit geraumer Zeit schon gehen die Gehälter des Cockpit-Personals weltweit zurück. Mit Etablierung der Billigairlines, die ihre Piloten sowieso schlecht bezahlen, müssen auch die klassischen Fluggesellschaften beim Gehalt sparen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Jedoch wird somit genau am falschen Ende gespart.
Pilot – der Busfahrer der Lüfte?
Das Image des Piloten hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. „Der Autopilot übernimmt inzwischen ja eh praktisch alles, der Pilot kontrolliert nur noch die Bildschirme.” Besonders gern werden Piloten mit Busfahrern verglichen. Wobei ich nichts gegen den Busfahrerberuf sagen möchte, auch diese Berufsgruppe hat eine große Verantwortung. Der Vergleich ist jedoch völlig unangemessen.
Wenn bei einem Flugzeug etwas schief geht, sind die Konsequenzen gleich viel extremer. Ein Unfall in der Luftfahrt hat viel schneller Todesopfer zur Folge als bei einem Zug oder Bus. Somit ist jede Entscheidung, die im Cockpit getroffen wird von einer viel höheren Wichtigkeit.
„Die Crew schaut nur dem Autopiloten zu”
Die verbreitete Meinung ist, dass die Cockpit-Crew lediglich die Arbeit des Autopiloten kontrolliert. Eigentlich könne das Flugzeug ja auch ohne Piloten fliegen.
Zugegeben, rein technisch ist das möglich. Ein Flugzeug könnte heute völlig Computergesteuert gezielt von A nach B fliegen. Ob das sicher ist, ist allerdings eine ganz andere Frage.
Denn der Computer kann nicht nach menschlicher Logik Entscheidungen treffen. Und er ist anfällig auf Ausfälle und fehlberechnungen. Selten, aber oft genug passiert es, dass Autopiloten im Fluge fehlerhaft arbeiten und die Crew das Steuer übernehmen muss. Start und Landung, die kritischsten Momente eines Fluges, werden ohnehin immernoch „per Hand” geflogen.
Aber am deutlichsten macht sich die Wichtigkeit eines Menschen im Cockpit in kritischen Situationen bemerkbar. Die Notwasserung im Hudson-River in New York anfang 2009 hätte beispielsweise nie von einem Computer entschieden, geschweige denn ausgeführt werden können. Das Leben der 155 Menschen an Bord lag in den Händen von Kapitän Sullenberger und seinem Copiloten, die eine außergewöhnliche Entscheidung trafen und den Menschen das Leben retteten.
Dabei sind die amerikanischen Piloten ironischer Weise noch schlechter dran als die deutschen. In den Vereinigten Staaten müssen Piloten teilweise sogar Zweitjobs annehmen um über die Runden zu kommen.Die Verantwortung, die ein Pilot hat, ist kaum mit Geld aufzuwiegen. Es muss in der Branche ein Sinneswandel stattfinden. Man muss aufhören, Piloten als gutbezahlte Busfahrer zu betrachten. Vielmehr haben sie eine Verantwortung, die mit der eines Arztes verglichen werden kann. Und so sollten sie auch bezahlt werden.
Natürlich muss eine Airline ihre Kosten optimieren, und in Krisenzeiten müssen auch Piloten zugeständnisse machen. Doch der Beruf, in dem man für das Überleben von unzähligen Menschen verantwortlich ist muss endlich entsprechend entlohnt werden.
Und auch der eigentlich recht gut zahlende Lufthansa-Konzern muss aufhören, mit ausländischen Tochterairlines auf Billiglohnverträge zu setzen. Ihren weltweiten Ruf als Premium-Marke hat sich die Lufthansa inzwischen bei vielen verspielt.
Links
Faz.net: Lufthansa-Piloten wollen vier Tage lang streiken
SpiegelOnline: Ab Montag herrscht an Flughäfen das Chaos
search.twitter.com: “Lufthansa + Streik”
Gastautor Markus Lehmann ist BWL-Student und “Aviation Enthusiast” seit Kindesalter. Nach einigen Anspielungen und Anregungen konnten wir ihn auf die “gute Seite der Macht” ziehen, sprich: Seine Kompetenz in die Form eines Artikels für Querbeet fließen lassen.
Das Luftfahrtgeschehen (und allgemeines Geschehen) kommentiert er auch gerne auf Twitter: twitter.com/FlyMarkus


Deluxe kommentiert
"Naja, so richtig..."
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"Ich finde, man kann auch..."
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"Merke ich mir für meine..."
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