So, das war sie nun, die vierte re:publica. Was kann man cleveres dazu sagen, wenn man bei keiner vorigen war?
Zuerst einmal bin ich ganz der Fanboy: Größtenteils großartige, informative Vorträge, nette Locations, nette Menschen, mitunter W-Lan: Herrlich. Zu den Themen, zu denen ich eine sinnvolle Zusammenfassung schreiben kann, wird es hier auf Querbeet noch Artikel geben.
Ich habe die Atmosphäre als sehr offen empfunden, bei bzw. nach den allermeisten Runden hat ein reges Hin und Her zwischen Publikum und Rednern geherrscht. Besonders die Panels in kleineren Räumen wurden lebhaft diskutiert.
Dislike-Button?
Natürlich gab es auch Veranstaltungspunkte, die lanweilig oder unnötig waren. Wie dragstripGirl richtig bemerkt, kann man auch folgende These vertreten:
Eigentlich müsste die re:publica jedem, der einen Twitteraccount besitzt und weiß, was RSS ist und mehr als eine Stunde am Tag im Internet verbringt verbieten, ein Ticket zu kaufen [...]
Offensichtlich wurde dies z.B., als Daniel Schmitt von wikileaks.org eine Stunde lang erzählte, was WikiLeaks bisher großartiges geleistet hat. Gute 90% der Zuhörer im Friedrichstadtpalast dürften schon jedes Detail gekannt haben. WikiLeaks gebührt unglaublich viel Respekt für die Arbeit, und eine Spende an die Plattform dürfte um Einiges wichtiger sein als eine an Wikimedia Deutschland. Die Standing Ovations waren gerechtfertigt, nichts desto trotz: Es war keine messbare Außenwirkung da, es wurden (z.T.) die sprichwörtlichen Eulen nach Athen getragen.
“Wir haben heute auch Vertreter der Politik hier.” – Nicht
Unter anderem nämlich auch, da die Politik keine wirklichen Entscheidungsträger in die Diskussion geschickt hat. Ob OpenGovernment oder Netzneutralität, anwesend waren leitende Beamte der jeweils “passenden” Behörden, Entscheidungsbefugnis Fehlanzeige.
Auch viel gewonnen hätte wohl eine Fraktion, die ihre Vertreter in der jetzt schon kontrovers diskutierten Enquete-Kommission auf die re:publica geschickt hätte. Ob als Panelteilnehmer oder wenigstens aufsaugendes Element im Publikum: Die vielerorts “Experten” titulierten Abgeordneten hätten sich doch wohl für das ein oder andere Thema interessieren können. Man erlaube mir die bissige Bemerkung, dass hierzu nicht ein mal die Fahrbereitschaft hätte in Anspruch genommen werden müssen.
Aber Geeks, Nerds, Netzler und natürlich Blogger können eben auch niemanden zwingen, sich bereichern zu lassen, so nötig es auch wäre.
Aber es gibt ja die “klassische” vierte Gewalt, die wichtige Themen für die große Öffentlichkeit aufbereitet. Zeitungen und Fernsehsendungen haben immerhin mit Präsenz im Foyer geglänzt. Ein ganz besonders gelungenes Exemplar ist wohl dieses Video von “3sat neues” (Ist zurzeit echt nur auf Facebook online). Fulminant, herrlich, sympathisch! Die Anfangssequenz begeistert schon ;-)
Aber ernsthaft: Ich habs auf der re:publica nur rumoren gehört, aber dann mal das FAZ-Bloggerdossier angeschaut. Was darin steht über Johnny Hauesler und was er gesagt hat, geht wohl etwas auseinander.
Brennende Themen
Ach ja: Besonders wichtig fand ich die Reihe von Beiträgen bzw. Subkonferenz zum Thema “Netzneutralität”. In Deutschland wie auf EU-Ebene gibt es zur Zeit kaum ein netzpolitisches Thema, das wichtiger ist. Denn, wie Julius Endert schreibt:
Die Begriffe in dieser Diskussion sind: Urheberrecht, Filter, Netzsperren, geistiges Eigentum, Leistungsschutzrecht, Jugendschutz usw. Der zentrale Begriff aber ist der der Netzneutralität, denn Regelungen in den zuvor genannten Bereichen, ziehen immer eine Einschränkung der Netzneutralität nach sich [...]
Hier unten versuche ich nun, einen sinnvollen Link-Infobatzen zur #rp10 zu erstellen.
Links
Fazit zur re:publica 2010
Julius Endert, wie schon erwähnt, bemerkt sehr, sehr richtig: #rp10: Ohne Netzneutralität ist alles nichts – unbedingt lesen!
dragstripgirl.de: re:strealität 2010
wirres.net: Tag 2 und 3; Tag 1
thorstenas #rp10 – schön, kurz, griffig
Thomas Knüwer: Re-publica 10: der Neidfaktor
@habichthorn mit 4 Tage Kalkscheune oder re:publica10
UARRR.org: re:kapitulation 2010
taz.de: Nicht nur für Nerds – netter Artikel
faz.net: Die Indianer des Internets – Der Artikel könnte auch “Nur für Nerds” heißen :/
Die Süddeutsche Zeitung verwirrt mit Achter Kontinent. Der Untertitel “Die Bloggerkonferenz Re:Publica suchte Lösungswege aus der Stagnation im Internet – die waren jedoch meist politischer Art.” macht mich erstmal sprachlos. “Jedoch meist politischer Art“? Was denn sonst, zur Hölle? Der Artikel ist echt ein starkes Stück. Und dass Götz Werner und Sascha Pallenberg auf einer Konferenz sprechen, bedeutet nicht, dass einer der beiden nicht verstanden wurde. Einerseits ist die re:publica also eine Nabelschau, und auf der anderen Seite inkonsequent. Top Einschätzung, Herr Boie.
Video!
Einen Link zu den Videomitschnitten platziere ich hier, sobald er verfügbar ist.
Hier sind die Videos!
eine große Menge Video-Intervies von Philip Banse habe ich noch nicht geguckt, aber dürften qualitativ gut sein, wie immer. Tag 1 und 2, Tag 3
Sonstige
Mario Sixtus’ flickr-Album zur re:publica 2010
Bei der Abschlußveranstaltung gab es Karaoke auf der re:publica 2010 – statt der Videokonferenz mit Biz Stone (Twitter) – Ich habe schon einen identi.ca-Account angelegt.

Guter Text – aber in einem Punkt muss ich dir widersprechen: Von den Grünen war sehr wohl “Parteiprominenz” auf der rp10 – nur halt nicht öffentlichkeitswirksam und prominent auf einem Panel sondern eher im Hintergrund..
Das stimmt, an der Stelle muss ich mich entschuldigen – ich saß sogar bei einem (kleinen) Panel dabei, wo die Grünen vertreten waren.